Gedichte

Spannweite

Es braucht die weite Spanne
Vom wahrhaft tiefen Schmerz
Zum üblichen Normal
Bis hin zum tollen Glück

Sprach einst ein Alemanne
Fasste sich ein Herz
Tauchte in die Qual
Und schuf sein Meisterstück

 

Das fünfte Element

Es galt einmal
Vor langer Zeit
Dem Mensch‘
Das Wort
Als Gültigkeit

Bis er begann
Es krumm zu biegen
Weich zu waschen
Gift zu schmieden

Da war es nichts mehr wert
Zu schade – und verkehrt!

 

 

Im Mondesschein

Wenn sich Gezeiten paaren
Um endlich einmal
Den selben Ort
Zur gleichen Zeit
Zu erfahren
Dann möge der Himmel im Tanze sein
So wie ein Kind
Mit springendem Stein
Und neues Leben soll aus der Erde kriechen
Um sich im Meere
Dazu zu entschließen
Nichts anderes
Als sich selbst zu sein
Ganz wie das Kind
Im Mondesschein

 

Unter dem Meer

Unter dem Meer
Leben die, die es tragen
In heiligen Stätten
Geschichtet, begraben

Sie teilten ihr Blut
Ihr Atem war rein
Ein Ende in Jugend
Im Tode allein

Das Salz ihrer Tränen
Gebirge aus Leid
Ein steiniger Kelch
Aus Einsamkeit

Unter dem Meer
Schwitzt glühende Erde
Gebärt uns ein Kern
Die göttliche Herde

 

Akt

Des Männchens „Stab“ muss sich erst recken,
erst dann kann er ’s ins Weibchen stecken.
Schön hart und steif passt es dann rein,
tut seinen Dienst, wird wieder klein.
Das Weibchen greift ’s dann zart: „Oh Nein,
wer wird denn schon zufrieden sein.“
Behände und geschickt wird wieder,
Leben eingehaucht, dem Glied der Glieder.
In Schritt und Trab, wild im Galopp,
dann wie ein Hund, mit rotem Kopp,
der letzte Akt, das Grande Finale,
das Frauchen grunzt wie ’n Kannibale.
Das Tempo steigt in Richtung Hafen,
und Obacht Männchen: Nicht gleich schlafen.
Nachdem frohlockt die Säfte fließen,
krönt es durch Zuzweitgenießen,
indem ihr eng umschlungen weilt,
bis euch ein süßer Traum ereilt.

 

Von nix kommt nix

Und sie warten auf den Trost
Auf die Blüte ohne Saat
Und dann kommt er schon
Der Tod
Still, und ungefragt

Und weil das Warten Leiden schafft
Und das Nichts sich schwer vermehrt
Hat es jene stets zäh hingerafft
Die tatenlos begehrt

 

Der Trinker

Ich trinke
Weil ich nichts mehr finde
Was mich noch will
Und sinke

Ich trinke
Mache Schluss, verschwinde
Dann bin ich still
Und winke

 

Kurzanleitung

Beschäftige dich mit dem
Was dich beschäftigt
Und trenne dich von dem
Was dich belästigt
So schaffst du freien Raum
Für Ruhe, Geist, und Traum

 

Was will ich vom Gedicht

Was will ich vom Gedicht
Ich will, dass es gelingt
An einem Stücke schwingt
Aus tiefster Seele spricht
Nur wenige sind wahrlich Licht
Die schreib‘ nicht ich
Die schreiben mich

 

Instinkt

Was ist das, was der Blick erkennt
In Windeseile sicher nennt
Den Lahmen blitzt, so dass er rennt?

Wer weiß da, was noch gar nicht ist
Doch nie vergisst
Was tief und wahr das Herz vermisst?

Wo liegt das, das die Sprache hemmt
Im Magen klemmt
Und alles um uns selbstlos lenkt?

Wie geht das, das wie fremde Macht
Verlegen lacht
Und handelt wie nicht angedacht?

Die Quelle, die dies fertig bringt
Zum Menschsein zwingt
Sie heißt: Instinkt